Odd Fellows Switzerland

Seit über 150 Jahre auf dem Weg zu einer freundlicheren Gesellschaft

Loge Nr. 36
Logensitz
Logensitz Thürnen
Gewerbehaus Langmatt
4441 Thürnen
Sitzungstage
1. und 3. Donnerstag des Monats, um 19.30 Uhr
Kontakt
Hansjörg Bossert
Bündtenweg 2
4460 Gelterkinden
E-Mail

Gwundrig

Ein geheimnisvoller Club?

Es ist gut, dass Sie neugierig sind. Denn die Geschichte hinter unserem Namen und der Loge ist weniger geheimnisvoll als vielmehr zutiefst menschlich und überraschend modern. Um tiefer in die Odd Fellows einzutauchen, starten wir hier eine Serie mit spannenden Themen zur über 200-jährigen Geschichte.

Thema 6: Schweizer Geschichte - vom Mississippi an den Rhein

Obwohl die Wurzeln in England liegen, startete der moderne Siegeszug der Odd Fellows in den USA. 1871 kehrte die Idee zurück über den Ozean in die Schweiz. Die Loge „Helvetia No. 1“ in Zürich markierte den Anfang einer Erfolgsgeschichte, die bald auch das Baselbiet erreichte. Heute sind wir fest in der Schweizer Kulturlandschaft verankert. Unsere Geschichte zeigt: Wahre Werte wie Humanität und Toleranz sind zeitlos und finden überall dort eine Heimat, wo Menschen nach einem tieferen Sinn und echter Gemeinschaft suchen.

Ist Ihr „Gwunder” nicht ganz gestillt?

Dann laden wir Sie herzlich ein, nicht nur über uns zu lesen, sondern uns kennenzulernen. Besuchen Sie einen Gästeabend und entdecken Sie, wie wir die Tradition der „seltsamen Gesellen” heute modern und lebendig interpretieren. ​Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Treffen. Ihr Ansprechpartner ist unser Obermeister ( ).

Demnächst an dieser Stelle Thema 7: Die Rebekka-Logen - Pionierinnen des Ordens

Thema 1: Ein Blick zurück. Wenn Helfen „seltsam” ist

Um uns zu verstehen, müssen wir ins England des 18. Jahrhunderts zurückschauen. Es gab keine Sozialversicherungen, keine Krankenkassen und keine Renten. Wer als einfacher Handwerker krank wurde oder seine Arbeit verlor, stürzte oft ins bodenlose Elend. Die Gründungsidee der Odd Fellows war eine revolutionäre Antwort auf diese Notlage: Solidarität.

Einfache Arbeiter schlossen sich zusammen und legten jede Woche ein paar Pennys in eine gemeinsame Kasse. Wenn einer von ihnen in Not geriet, halfen ihm die anderen.

Thema 2: „Mehr als eine Versicherung”

​Aus der pragmatischen Notgemeinschaft entwickelte sich schnell mehr. Die frühen Odd Fellows erkannten, dass materielle Hilfe allein nicht reicht. In einer Zeit der rauen Sitten schufen sie Orte, an denen Herkunft, Politik und Religion keine Rolle spielten. Es ging um Charakterbildung und ein friedliches Miteinander. Daraus entstanden unsere drei Grundpfeiler, die noch heute unser Symbol – die drei Kettenglieder – prägen:

Freundschaft: Ein vertrauensvolles Miteinander jenseits von Status.

Liebe: Die tätige Nächstenliebe und Toleranz gegenüber den Mitmenschen.

Wahrheit: Das stetige Streben nach Erkenntnis und Selbstreflexion.

Die staatliche Absicherung mag sich geändert haben, aber der Bedarf an echter menschlicher Verbindung, ethischen Werten und einem Ort des offenen Austauschs ist grösser denn je.

Thema 3: Warum der Name?

Um das zu verstehen, muss man die starren Schranken der damaligen Zeit kennen. Wohltätigkeit und Fürsorge waren kein bürgerliches Recht, sondern ein elitäres Privileg des Adels. Die einfache Bevölkerung hatte zu funktionieren, nicht zu gestalten.

​Dass sich nun Menschen, die selbst kaum über das Nötigste verfügten, solidarisch organisierten, sprengte jede damalige Norm. Es war verdächtig, dass einfache Arbeiter einander absicherten, statt auf Almosen von oben zu warten. Dieses selbstbewusste Handeln passte in keine der üblichen Schubladen (Zünfte oder Gilden) und wurde von der etablierten Gesellschaft als eigenartig – eben «odd» – empfunden.

​Unsere Gründer nahmen diese Bezeichnung jedoch nicht als Beleidigung, sondern als Auszeichnung an. Sie waren stolz darauf, «anders» zu sein, wenn «anders» bedeutete, menschlich zu handeln. Was damals als kurios galt, nennen wir heute Zivilcourage, Selbstverantwortung und gelebte Nächstenliebe.

Thema 4, Teil 1: Von römischen Legionären und englischen Handwerkern – Mythos und Wahrheit.

Jede grosse Gemeinschaft hat ihre Legenden. Auch bei uns Odd Fellows gibt es Geschichten, die so weit zurückreichen, dass sie im Nebel der Geschichte verschwimmen.

Das Lagerfeuer der Legionäre

Gerne erzählt man sich die Geschichte von den römischen Feldlagern im 1. Jahrhundert. Fern der Heimat und in feindlicher Umgebung suchten die Soldaten nach Sicherheit und Vertrauen.

Die Legende besagt, dass sie geheime Zeichen, Passwörter und Signale entwickelten, um sich unter Fremden als „Brüder” zu erkennen. Wer das Zeichen kannte, gehörte dazu. Er erhielt Schutz, Nahrung und Hilfe, ganz gleich, aus welcher Ecke des Römischen Reiches er stammte.

Es ist eine faszinierende Vorstellung: Der Odd Fellow als Nachfahre einer uralten Tradition der Treue, die bis zu Titus Caesar zurückreicht.

Der historische Fakt: England statt Antike.

Doch bleiben wir bei der Wahrheit: Historisch belegen lässt sich diese römische Herkunft nicht. Unsere dokumentierten Wurzeln liegen nicht im antiken Rom, sondern im England des 17. und 18. Jahrhunderts.

Es waren keine Legionäre in Rüstungen, sondern einfache Handwerker und Arbeiter in Leinenhemden, die den Grundstein legten. Sie adaptierten Rituale und Symbole, um ihre Treffen in den Wirtshäusern vor neugierigen Blicken – und oft auch vor der Obrigkeit – zu schützen.

Thema 4, Teil 2: Warum die Legende trotzdem wahr ist.

Wenn die römische Geschichte nur ein Mythos ist, warum erzählen wir sie dann noch? Weil sie einen wahren Kern besitzt.

Ob römischer Soldat im kalten Feldlager oder englischer Arbeiter in der unsicheren Zeit der Industrialisierung – das Bedürfnis war dasselbe. Der Wunsch nach einem geschützten Raum. Der Wunsch nach einem verlässlichen Gegenüber, der einen nicht im Stich lässt, wenn es hart auf hart kommt.

Die historischen Fakten mögen im 18. Jahrhundert beginnen. Aber der Geist unserer Gemeinschaft – der Zusammenhalt, auch in stürmischen Zeiten, – ist tatsächlich so alt wie die Menschheit selbst.

Thema 5: Kein Geheimbund – ein Bund mit Geheimnissen.

Oft ranken sich Mythen um Logen. Sind wir ein Geheimbund? Nein. Wir sind ein ethischer Bund, der Diskretion pflegt. Unsere Treffen bieten einen geschützten Raum, in dem das gesprochene Wort sicher ist. Diese „Geheimnisse“ sind eigentlich persönliche Erfahrungen: Das Erleben von Ritualen und der vertrauliche Austausch lassen sich schwer in Worte fassen – man muss sie fühlen. Wir verstecken uns nicht, wir schaffen nur einen Ort für echte Tiefe abseits der öffentlichen Hektik.