Leinen los ins Hier und Jetzt
Zusammenfassung des Vortrags von Br. Jo Krebs
Am 4. Juni nahm Jo Krebs die Odd Fellows und ihre Gäste in seinem Vortrag „Leinen los ins Hier und Jetzt“ mit auf eine Reise über den Pazifischen Ozean. Dabei berichtete er nicht nur von nautischen Herausforderungen, sondern verband seine Erlebnisse auf See mit Gedanken zur Achtsamkeit und den philosophischen Werten der Odd Fellows.
Wer Europa verlässt und den Pazifik besegelt, erlebt andere Dimensionen. Jo Krebs schilderte, was es bedeutet, wochenlang tausende Kilometer vom Festland entfernt auf engstem Raum zu leben. Auf anspruchsvollen Passagen, wie etwa den 2100 Kilometern von Tonga nach Neuseeland, fungieren moderne Segelyachten als autarke Systeme. Vom Energiemanagement bis zur Wasseraufbereitung ist absolute Unabhängigkeit gefordert. Doch trotz moderner Technik bestimmt letztlich die Natur den Takt.
Meister Eckhart auf hoher See
Auf dem Ozean gewinnt die Lehre von Meister Eckhart an praktischer Bedeutung. Da sich das Wetter nicht kontrollieren lässt, fordert das Meer Gelassenheit. Wer den Wunsch nach Kontrolle und Bequemlichkeit loslässt, findet laut Krebs die nötige Ruhe, um sich den Gegebenheiten der Natur anzupassen und handlungsfähig zu bleiben.
Odd Fellow-Werte auf hoher See
Im Laufe seines Referats stellte Jo Krebs auch einen nautischen Bezug zu den Symbolen der Odd Fellows her.
- Das allsehende Auge: Auf See steht es für Aufmerksamkeit und den Respekt gegenüber Mitmenschen und der Natur. Die Freiheit auf dem Ozean bringt unweigerlich die Pflicht mit sich, für jede Entscheidung die volle Verantwortung zu übernehmen.
- Der Schädel: Angesichts der Naturgewalten wird dem Segler die eigene Begrenztheit bewusst. Aus diesem Wissen um die Vergänglichkeit entsteht eine bewusste Wertschätzung des Augenblicks.
Der „Gwunder“ als Antrieb
Was treibt Menschen an, solche langen Törns auf sich zu nehmen? Es ist der „Gwunder“. Diese Neugier wirke als Gegenspieler zur Angst und lasse Segler den Horizont als Einladung verstehen. Der Lohn für den Schritt ins Ungewisse sind unmittelbare Naturerlebnisse weitab der Zivilisation. Mit einem Zitat von Aristoteles fasste Krebs am Ende zusammen, was das Langfahrtensegeln im Kern ausmacht: „Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis.“