Odd Fellows Switzerland

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1. und 3. Donnerstag des Monats, um 19.30 Uhr
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Praxis der Sterbebegleitung

Zusammenfassung Referat

Praxis der Sterbebegleitung –Sterbebegleitung als letzte Lebenshilfe

Das Paradoxon unseres Sterbens. Wir alle wollen alt werden, aber niemand will sterben – und wenn es passiert, dann bitte friedlich zu Hause. Doch die Realität sieht oft anders aus: Sterben findet heute häufig anonym in Institutionen statt. Sterbebegleitung ist kein „Warten auf den Tod“, sondern intensive Lebensbegleitung. Es geht darum, dem Sterben an sich seine Würde zurückzugeben.

Sterben heute – und was Begleitung bedeutet

Hier muss der Unterschied zwischen Betreuung (Organisation, Pflege, Handeln) und Begleitung (Raum geben) geklärt werden. Die vier Säulen der Begleitung:

  • Nahe sein, ohne zu führen.
  • Mitgehen, ohne zu steuern.
  • Aushalten, ohne sofort eine Lösung erzwingen zu wollen.
  • Präsent sein, ohne den Raum zu dominieren.

„Begleitung braucht vor allem eine Währung, die in unserer Gesellschaft knapp geworden ist: Echte, ungeteilte Zeit.“

Der Körper am Ende des Weges: Bedürfnisse und Zeichen 

Viele Menschen haben Angst vor dem Sterbeprozess, weil sie nicht wissen, was passiert. Wissen nimmt hier die Angst.

  • Priorität Schmerzfreiheit: Eine moderne Schmerztherapie ist das Fundament.
  • Der Rückzug der Sinne: Hunger verschwindet, aber der Durst (und die Mundpflege) bleibt essenziell.
  • Die Sprache des Körpers: Sinkender Blutdruck, veränderte Atmung.

Diese Zeichen sind kein Versagen des Körpers, sondern Teil eines natürlichen Übergangs. Wenn wir sie verstehen, können wir den Angehörigen die Panik nehmen.

Das soziale Echo: Angehörige sind Mitbetroffene

Sterben ist kein Solo-Event. Es ist ein Familiensystem, das unter Druck steht.

  • Gefühlswelt: Angehörige kämpfen mit Angst, Erschöpfung und oft alten Familienkonflikten, die am Sterbebett plötzlich wieder aufbrechen.
  • Der Auftrag für Profis: Wer den Sterbenden begleitet, muss auch die Angehörigen stützen. Wenn die Worte weniger werden, zählt die Präsenz. Ein Händedruck, ein stilles Dasein oder ein ehrliches Gespräch können tiefen Trost schenken.
  • Bedürfnisse: Nähe, Berührung, das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden.
  • Hoffnungen: Es geht um das Erbe – nicht materiell, sondern ideell. „Was hinterlasse ich? Werden meine Lieben versorgt sein? Bleibe ich in Erinnerung?“
  • Wahrheit: Ein Sterbender hat ein Recht auf Ehrlichkeit, aber nur so viel, wie er ertragen möchte (Selbstbestimmung).

Klare Haltung der Begleitenden – die 11 Merksätze 

  1. Nähe spürbar machen 
  2. Aktiv zuhören 
  3. Mit Achtung und Würde handeln 
  4. Autonomie wahren 
  5. Gefühle zulassen 
  6. Umwelt und Angehörige einbeziehen 
  7. Klarheit in Worten und Gesten 
  8. Zeit haben und Ruhe vermitteln 
  9. Eigene Hilflosigkeit anerkennen 
  10. Nicht alles wissen müssen – Demut 
  11. Selbst loslassen können (nur wer selbst loslassen kann, erlaubt es auch dem anderen)

 „Sterbebegleitung bedeutet nicht, den Tod zu beschleunigen oder ihn künstlich hinauszuzögern. Es bedeutet, einem Menschen zu ermöglichen, seinen eigenen Tod zu sterben – mit Würde, Respekt und in menschlicher Geborgenheit.“

Datum: 22.01.2026 - 22.01.2026
Zeit: 19:30
Ort: Logensitz Thürnen