100 Jahre Odd Fellows Luzern
Unsere Geschichte
Winkelried-Loge Nr. 17 Luzern 1927 - 2027
Die Logen
Die Geschichte der Odd Fellows muss mit der Gesamtgeschichte in Europa und der Welt in Beziehung gebracht werden. Das politische, soziale, religiöse und geisteswissen-schaftliche Umfeld ist dabei zu berücksichtigen.
Europa wurde über Jahrtausend lang durch das Christentum geprägt. Ihre Vertreter fühlten sich dabei für das Seelenheil aller Menschen verantwortlich – das ewige Leben nach dem Tode war für sie oft wichtiger als das kurze irdische Leben des Einzelnen. Die Situation änderte sich auch während der Renaissance nicht, denn sogar die Reformatoren wie Luther, Zwingli und Calvin forderten von ihren Anhängern absolute Gefolgschaft. Die Ausweitung des geographischen Wissens, neue wissenschaftliche Erkenntnisse standen zum Gegensatz zu dem von der Kirche dogmatisierten Weltbild. Wie die römisch-katholischen und protestantischen Kirchen haben auch die totalitär geführten Staaten, wie Frankreich, die Ideen der Aufklärung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abgelehnt. Nur England, dessen Kirche sich bereits um 1540 von der römisch-katholischen gelöst hatte bot den Ideen der Aufklärung beste Voraussetzungen. Die Gründung von Gesellschaften, vernehmlich deren von Handwerkern war absehbar. Erste Vereinigungen sind ab 1662 in England bekannt. 1723 wurde erstmals in London eine Vereinigung mit den Odd Fellows in Verbindung gebracht. Als Anfangs des 19. Jahrhunderts tausende Engländer nach Amerika auswanderten, war es klar, dass auch der Odd Fellow Orden den grossen Teich überwand. Der Handwerker Thomas Wildey (Mitglied einer Londoner Odd Fellow Loge) war einer. Er gründete 1819 die erste Loge in der neuen Welt. Dank seiner aktiven Werbung nahm die Zahl von Logen und Brüdern stetig zu. Als Thomas Widey 1861 starb, zählte der Orden mehr als 600'000 Mitglieder in Amerika. Da auch viele Europäer (Deutsche, Schweizer, Nordländer) als Auswanderer in Amerika lebten und diese immer noch gute Beziehungen zu ihren Geburtsländern pflegten, war es nicht verwunderlich, dass 1870 die erste europäische Odd Fellow Loge in Deutschland installiert wurde. Schon 1871 konnte in der Schweiz die Helvetia-Loge Nr. 1 in Zürich eingesetzt werden.
1. Odd Fellows Loge in Luzern – Waldstätter-Loge Nr. 8
Innerhalb weniger Jahre konnten, ab der Gründung der Helvetia-Loge Nr. 1 in Zürich die Logen:
1872 die Nr. 2 in Baden « Pestalozzi-Loge»
1873 die Nr. 3 in Bern «Fellenberg-Loge»
1874 die Nr. 4 in Biel «Rousseau-Loge»
1876 die Nr. 5 in St.Gallen «Säntis-Loge»
1877 die Nr. 8 in Luzern «Waldstätter-Loge»
gegründet werden. Leider musste nach vielen persönlichen Anfeindungen, seitens der katholischen Presse, diese Loge in Luzern 1885 nach 8 Jahren Tätigkeit ihr Vereinsleben einstellen. Obwohl einer der damaligen Persönlichkeiten der Odd Fellows Schweiz, Oberst Carl Imfeld ein Luzerner war. Was in liberalen Kantonen wie Zürich, Bern oder Aarau ohne Probleme geduldet oder sogar gefördert waren, ist in damaliger Zeit in den Ur-Kantonen eher problematisch. Zu sehr war die Angst vor dem Unbekannten. Und es dauerte tatsächlich 42 Jahre bis es in Luzern wieder eine neue Logengründung gab.
2. Odd Fellows-Loge in Luzern – Winkelried-Loge Nr. 17
1922 fanden sich 9 in Luzern wohnhafte Brüder zusammen, die am 22. November 1922 das Kränzchen Innerschweiz gründeten. Die Brüder aus Luzern waren zu diesem Zeitpunkt Mitglieder der Helvetia-Loge Nr. 1 in Zürich. Erste Sitzungen fanden zuerst im Kellergeschoss des Hotel Diana bei Br. Br. Jean Müller statt. (Anm. Dieses Gebäude liegt 20m neben unserem neuen Logenheim im Jahre 2027) Ebenso waren die Hotel du Nord (Br. Hans Gurtner) und Hotel Concordia (Br. Grossen) Sitzungslokale. In den kommenden Jahren wuchs die Mitgliederzahl rasch an. Der lange Weg nach der Mutterloge in Zürich war eine weiter Motivation nach einer eigenen Logengründung in Luzern. Aus div. Protokollen entnimmt man auch den Wunsch nach einem eigenen Logenheim. Aber auch damals war ein Eigenheim teuer und so war man glücklich an der Museggstrasse, hinter dem Hotel de la Paix, in einer alten Röntgenröhrenfabrik einen Mietvertrag zu erhalten. Ab Mitte 1926 wurde in dieser Lokalität mit eigenen Mitteln Umgebaut und mit viel Freude und Liebe logenmässig mitgestaltet. (Brüder, die diese Zeit noch miterlebten, erzählen immer noch vom etwas muffligem Gebäudegeruch)
Aber dann war es so weit:
Am Samstag, 16. Januar 1927 wurde die 17. Loge des Ordens der schweizerischen Odd Fellows in Luzern eingeweiht. 30 Brüder dieser Loge konnten den Freibrief vom damaligen Gross Sire Artur Gäumann empfangen. Rund 220 Brüder aus Logen der ganzen Schweiz und die Grossbeamten feierten in einem Bankett im Hotel Schweizerhof dieses Ereignis. Die Freimaurerloge Fiat Lux (unser heutiger Vermieter der Logenräume) war ebenfalls als Gast anwesend. In der Folg stellte die Loge erfreuliche Zugänge an Brüdern bis ins Ende der 30iger Jahre fest.
Dann kam die Zeit der Weltkrisen. Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Zusammenbruch, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Zu allem die Fonjallaz-Initiative (Volksabstimmung über Verbot aller sog. Geheimgesellschaften und Judentum) war für alle Logen ein Überlebenskampf. Kaum vorstellbar in der heutigen Zeit. Freimaurer, Druiden und die im Welschland tätige Union arbeiteten gemeinsam, klärten auf, stellten ihre Ziele und Grundsätze klar, modern würde man dies als «coming out» erklären. Die Abstimmung wurde vom Volk abgelehnt, aber es war nicht verwunderlich, dass viele Brüder in dieser Zeit aus dem Orden ausgetreten sind.
Dann kamen die 40-iger Jahre im letzten Jahrhundert. Der 2. Weltkrieg löste alle Ordnungen der Welt auf, Weltanschauungen und Religionen gingen in Trümmern. Da war es wie, der die Loge, die mit ihren Grundsätzen die Menschen anzog. Langsam füllten sich wieder die Reihen.
Im Jahr 1967, am 40 Jahre Jubiläum hat der damalige AM und erste OM der Winkelriedloge Nr. 17, Br. Gottfried Merian an seiner Laudatio geschrieben:
Wir haben bis heute 117 Brüder in unseren Reihen aufgenommen. 20 Brüder sind verstorben und 53 haben uns den Rücken gekehrt. Es taucht nun die Frage auf: Was ist der Grund ihrer Abkehr? Sind unsere Grundsätze so wenig wirksam, haben sie keine Kraft dem Leben halt und Ziel zu geben?
Neues Logenheim
Irgendwie scheinen 50 Jahre Dekaden bei der Winkelried-Loge unser Schicksal zu sein. 1977, nach rund 50 Jahren Mietverhältnis an der Museggstrasse in Luzern konnten wir durch Vermittlung eines Bruders (Br. Fredi Haufe) rund 200 m2 Rohbau in einem Neubau an der Würzenbachstrasse 17, ebenfalls in Luzern, käuflich erwerben. Mit grossem Aufwand wurde eine Halle, ein grosses Refektorium für Bankette, ein kleines Refektorium für Apero und eine Küche neu eingerichtet. Dies sollte nun für weitere knapp 50 Jahre unser Logenheim bleiben. Im Jahre 2005 konnten wir die Halle (dank der Planung und Zusatz-Finanzierung von Br. Roland Dörig) neu gestalten. Weitere rund 100 Aufnahmefeiern durften wir in diesen Räumen geniessen. Ungezählte Logenveranstaltungen bleiben in ewiger Erinnerung. Aber auch hier nagte die Zeit. Unser Logenheim, das in einem Wohnblock integriert war, musste nach 50 Jahren renoviert werden. Die Zusatzkosten waren für unsere Vereinigung so hoch, dass wir mit schweren Herzen einem Verkauf zustimmen mussten. Im Oktober 2025 haben wir uns unser Logenheim mit schwerem Herzen verlassen. Dank der Umsicht einiger Brüder, konnte der Kontakt zu der Freimaurerloge Fiat Lux in Luzern für eine Untervermietung ihrer Räumlichkeiten hergestellt werden. Seit Ende 2025 sind wir in den Logenräumen an der Murbacherstrasse 15a in Luzern, jeweils 1.und 3. Montage des Monats anzutreffen.
Zukunft
Wie alle Vereine, egal aus welchen Gesellschaftsecken, sind auch wir Odd Fellows in einer Situation, die ihre Mitglieder nicht in der Masse findet. Unser Gedankengut hat in Luzern 100 Jahre überstanden und wir glauben, das im Zielgedanken von Freundschaft, Liebe und Wahrheit eine Aufgabe für uns Menschen in allen sozialen Schichten zu finden ist. Bei den Odd Fellows werden humane, ethische Grundwerte gepflegt und hochgehalten – diese sind zeitlos.
Unser Logenleben:
Mitgliederbewegung 1927 - 2027
Dank den Mitgliederverzeichnissen seit der Gründung er Odd Fellows Schweiz, kann der jährliche Mitgliederbestand jeder Loge über Jahre genau eruiert werden. Was 1927 mit 30 Brüdern begann war durch die zeitlichen Bedingungen immer wieder ein «Wellental». Wie bereits erwähnt gingen die Kriegsjahre, die Fonjallaz-Initiative, Krisenzeit und der Konsumüberfluss der neueren Zeit nicht spurlos an unsere Loge vorbei.
In diesen 100 Jahren sind rund 250 Männer in die Winkelriedloge Nr. 17 aufgenommen worden. Nicht wenige blieben bis ans Ende ihrer Tage ein Mitglied.
Wandel zu den Sitzungen
100 Jahre gesellschaftliches Umfeld sind auch bei uns nicht stehen geblieben. So war die Kleiderordnung schon immer ein Dauerthema. Seit war und ist es üblich, zu speziellen Veranstaltungen (Aufnahmefeiern, Beamteneinsetzungen, Trauerlogen etc.) im dunklen Anzug mit Silber Krawatte zu erscheinen. Ebenso war an normalen Sitzungen Krawattenpflicht. Seit geraumer Zeit haben wir hier in Luzern beschlossen, diese strenge Kleiderordnung der Neuzeit ein wenig anzupassen. Wer möchte, darf die Krawatte weglassen. Ebenso war die Musikauswahl zu den Sitzungen eher klassisch orientiert. Das in der heutigen Zeit der Musikus in die Bandbreiten aller musikalischen Richtungen greifen darf, wird ihm überlassen. Bis zum Anfang des 21.Jahrhunderts wurden die Sitzungen jeweils um 20.00 Uhr angesagt. Da sich auch die Arbeitszeiten veränderten, haben wir in Luzern den Sitzungsbeginn um 19.00 Uhr. Geblieben ist die Tradition für das Treffen rund eine halbe Stunde zu einem Apero im Logenheim. Auch der Ablauf der Sitzungen, wie auch das anschliessende, gemeinsame Nachtessen mit vielen Gesprächen ist seit Jahren gleichbleibend.
Das Umfeld der Mitglieder
Das Logenleben ist nicht nur zu den zwei Sitzungen pro Monat orientiert. Da unsere Mitglieder in der ganzen Zentralschweiz wohnen, diversen Berufen nachgehen, ist der Kontakt untereinander ein logischer Bestandteil der Odd Fellows. Ein fester Bestandteil ist seit vielen Jahren der «Epikureer-Stamm». Der von unserem, leider verstorbenen Altmeister Leo Gut gegründete Institution soll die Mitglieder in Ruhestand ansprechen. Jeden Mittwochmorgen treffen sich die Brüder beim Kaffee und diskutieren über alles -was sie bewegt.
Die Vereinstreue in der Winkelriedloge
Das die Mitgliedschaft in der Winkelriedloge ein langes Leben verspricht, zeigt die Tatsache, dass einige der Brüder über 90 Jahre alt, aber immer noch aktiv sind. Dies trifft auch auf die Vereinstreue einiger Mitglieder zu.
Marcel Johann 57 Jahre in der Loge
Josef Schütz 52 Jahre in der Loge
Robert Widmer 50 Jahre in der Loge
Unser humanitärer Gedanke
«Die karitative Tätigkeit hat für den Odd Fellow Fundamente Bedeutung. Die offene Hand gegenüber dem bedürftigen Menschen ist eine unserer vornehmsten Aufgaben» (Auszug aus dem Leitbild des OSOF). So durften auch wir in den letzten Jahren einige Hilfsprojekte mit namhaften Beträgen unterstützen. Ein Auszug:
· Finanzielle Hilfe (Übernahme der Medikaments Kosten) für Deine Familie mit Kindern.
· Unterstützung Kinderhilfswerk in Tansania
· Finanzieller Beitrag an «Fokus Familie» Luzern
· Hilfe für «Haus Mutter und Kind» Kt. Nidwalden
· Autokauf für Spitex Kriens
· Beitrag an die «Gassenarbeit» Luzern
· Förderpreis an die Musikschule Luzern
· Jährliche Beiträge an die Weihnachtssammlung der Luzerner Zeitung
Weitere Aktivitäten sind in Planung und werden zu einem späteren Zeitpunkt auf dieser Webseite ausgeschrieben.
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Am Samstag, 27. April 2027 steigt dieses Fest in unserer Leuchtenstadt.